Heute Morgen, ich schwöre, ich stand einfach nur in der Küche, hab meinen Kaffee umgerührt und ein einziges Metalllöffel-Geräusch hat gereicht, dass meine Mittlere von der Couch hochgeschossen ist wie eine Katze, die in Alufolie tritt.
„Mama, hör auf, das ist so laut!“
Und ich stand da, völlig überfordert, weil… es war nur ein Löffel. Ein normaler Löffel. Kein Presslufthammer, kein Konzert, kein Weltuntergang.
Und ich sag’s dir ehrlich:
das ist so krass, wenn du ein hochsensibles Kind hast und du immer wieder feststellst, dass ihr Nervensystem auf Reize reagiert, die andere Kinder nicht mal registrieren.
Der größte Pain Point?
Diese permanente Unsicherheit: Was triggert heute die nächste Überreizung?
Der Mixer? Die Jacke, die kratzt? Die Schwester, die nur atmet?
Willkommen im Club. Ich sitze direkt neben dir.
Was „Hochsensibles Kind“ wirklich bedeutet
Und jetzt lass uns das mal aussprechen, ohne das typische Ratgeber-Blabla.
Ein hoch sensibles Kind hat keinen „Defekt“.
Es hat auch keine „Macke“.
Und es ist nicht „anstrengender als andere“.
Es hat einfach ein Nervensystem, das mehr Reize registriert und tiefer verarbeitet.
Punkt.
Das bedeutet:
- Geräusche kommen lauter an
- Berührungen intensiver
- Emotionen größer
- Stimmungen von anderen? werden sofort aufgesaugt wie ein Schwamm
- Übergänge dauern länger
- Stress baut sich schneller auf
Meine Große war schon immer so.
Ich wusste nur nicht, dass dafür ein Wort existiert.
Ich dachte wirklich jahrelang, sie wäre „schwierig“.
Ist sie nicht.
Ihr Nervensystem ist einfach schneller voll.
Das ist der Unterschied.
Was im Körper passiert: einfach erklärt
Ich mach’s dir so einfach wie möglich:
Das Nervensystem eines hochsensiblen Kindes hat einen schwächeren Reizfilter.
Das heißt:
- Dinge, die für andere „neutral“ sind, lösen bei deinem Kind Stress aus.
- Das Gehirn wertet mehr Reize als relevant.
- Es entsteht schneller Anspannung.
- Emotionen gehen schneller hoch.
- Überreizung passiert – zack – in Sekunden.
Und dann kommen die Gefühlsstürme, die Tränen, das Zurückziehen, die Wutausbrüche, die Verweigerung, das „MAMA STOP!“.
Nicht, weil dein Kind manipulieren will.
Sondern weil sein Nervensystem überläuft wie ein zu voller Eimer.
Wie das im Mama-Alltag aussieht
Hier 5 Momente, die du kennst, wenn du ein hochsensibles Kind hast:
- Der Föhn im Bad
Das Kind rennt raus, hält sich die Ohren zu, obwohl du nur kurz die Haare trocknest.
Anstrengend ja, aber für dein Kind ist es körperlich schmerzhaft. - Der Supermarkt
Flackerlicht, Geräusche, Gerüche, Menschen.
Und du fragst dich: „Warum funktioniert gar nichts mehr?“
Spoiler: Es ist die absolute Reizhölle. - Der Kindergartenflur
20 Kinder, Jacken, Schuhe, Stimmen, Schranktüren.
Mein Mittleres hat sich da regelmäßig komplett abgeschaltet und nur beobachtet. - Abendessen mit Geschwistern
Das eine Kind singt.
Das andere trommelt.
Du willst einfach nur essen.
Dein hochsensibles Kind schreit: „ES IST ZU LAUT!“ - Die Kleidung-Krise
Sockennaht. Etikett. Falsches Material.
Ich könnte darüber ein ganzes Buch schreiben.
Die Schmerzpunkte aus dem echten Leben
- „Warum rastet mein Kind wegen Kleinigkeiten so extrem aus?“
- „Warum hält es Geräusche nicht aus, obwohl es gar nicht laut ist?“
- „Warum sind Übergänge so schwierig?“
- „Warum flippt es in Gruppen aus oder zieht sich sofort zurück?“
- „Warum kann es seine Gefühle nicht regulieren?“
- „Warum ist es ständig müde, überdreht oder gereizt?“
- „Warum fühle ich mich als Mama ständig überfordert und ausgelaugt?“
Ich sag’s dir ehrlich:
Es liegt nicht an dir.
Es liegt am Nervensystem.
Du kämpfst gerade an zwei Fronten:
Deinem eigenen Nervensystem und dem deines Kindes.
Und wenn ihr beide hochsensibel seid (so wie ich und meine beiden Großen), dann ist das manchmal einfach… viel.
Tools, Übungen, Routinen, die wirklich funktionieren
Und jetzt kommt der Teil, der wirklich ein absoluter Game Changer ist.
Ich geb dir nur Dinge, die ich selbst mache, ohne Esoterik, ohne „mach mal mehr Geduld“.
1. Geräuschschutz als Alltagshilfe
Ja, wirklich.
Noise Cancelling rettet hier täglich Leben.
2. Mini-Pausen einbauen
Bei uns heißt das: „Ruhe vor dem nächsten Level“.
Zwei Minuten aufs Sofa, kein Reden, kein Fragen, nur Festhalten.
3. Der 60-Sekunden-Reset
Hand aufs Herz, einmal tief durch die Nase ein, doppelt so lang aus.
Auch Kinder können das.
4. Das Reiz-Barometer
Wir fragen oft: „Bist du bei 3, 7 oder 10?“
So weiß ich, wie voll ihr Nervensystem gerade ist.
5. Abendritual ohne Reize
Kein helles Licht.
Kein Geräusch.
Einfach warmes Nachtlicht und tiefes Durchatmen.
6. Der „Aus der Situation raus“-Move
Nicht diskutieren.
Rausgehen.
Luft holen.
Neustart.
7. Kurze Erklärsätze statt Vorträge
„Du bist überreizt. Ich helfe dir.“
Mehr braucht es nicht.

Unsere Life Saver
1. Kinder Noise-Cancelling Kopfhörer (hier)
Meine Große trägt sie beim Kochen neben mir, weil allein das Brutzeln der Pfanne manchmal schon zu viel ist.
Ich hätte nie gedacht, dass so etwas simpel sein kann.
Aber es ist wirklich ein absoluter Game Changer.
2. Silikon-Gehörschutzstöpsel (weich)
Die Mittlere nimmt die weichen Stöpsel, wenn wir irgendwo hingehen, wo sie nicht weiß, ob sie es schafft.
Schule, laute Feste.
Es gibt ihr Sicherheit, bevor es überhaupt losgeht.
3. White-Noise-Maschine (portabel) (hier)
Ich liebe dieses Ding.
Wenn eines der Kinder überreizt ist, schalten wir es an, setzen uns zusammen hin, und der Körper fährt runter.
White Noise macht Reizflut leiser.
Das ist so krass. Funktioniert auch beim Autofahren in Städten.
4. Sensorische Knautschbälle (hier)
Ich hab einen im Auto, einen im Wohnzimmer, einen neben meinem Bett.
Kinder Hände brauchen Regulation.
Und du glaubst nicht, wie oft das Ruhe reinbringt.
5. Warmes Nachtlicht ohne Blauanteil (hier)
Das Abendlicht macht so viel.
Blau beruhigt nicht, warmes Licht schon.
Und abends sind hochsensible Kinder sowieso schnell durch.
Das Nachtlicht ist für uns pure Rettung.
Q&A – Was ich gerne früher gewusst hätte
Frage 1: „Warum flippt mein Kind aus, wenn ein Geräusch kommt, das andere gar nicht stört?“
Weil sein Nervensystem keinen Filter hat. Geräusche kommen ungepuffert rein und fühlen sich körperlich an wie kleine Schläge.
Frage 2: „Wie erkenne ich Überreizung früh genug?“
Achte auf kleine Zeichen: unruhige Hände, Weigerung zu reden, Genervtheit, jammern „ich kann nicht mehr“. Dann ist der Eimer schon halb voll.
Frage 3: „Wie reagiere ich richtig im Gefühlssturm?“
Raus aus der Situation. Kein Reden. Kein Erziehen. Nur da sein. Nähe anbieten. Atmen. Neu starten.
Frage 4: „Kann ich das Nervensystem meines Kindes stärken?“
Ja. Mit Pausen, Reizreduktion, viel Körperkontakt, Atemübungen und klaren Strukturen. Es wird nie „un-sensibel“, aber es kann stabiler werden. Wie bei uns.
Frage 5: „Wie schütze ich mich selbst?“
Pausen. Grenzen. Und keine 15 Verpflichtungen am Tag. Dein Nervensystem ist genauso wichtig.
Fazit
Du bist nicht allein.
Ein hochsensibles Kind ist kein Problem.
Es ist ein Kind, das die Welt intensiver spürt.
Und du bist eine Mama, die sich jeden Tag neu auf diese Welt einstellt.
Ich weiß, wie krass anstrengend das manchmal ist.
Aber ich weiß auch, wie schön es ist, wenn die Dinge funktionieren.
Dein Kind braucht nicht viel.
Nur Sicherheit, Verständnis und einen ruhigen Ort, wenn die Welt zu laut wird.
Wenn du noch tiefer eintauchen willst:
Weiterer Artikel: „Nervensystem beruhigen für Mamas am Abend“
Du schaffst das und dein Kind erst recht.



