Stell dir vor: Es ist 7:12 Uhr.
Die Küche sieht aus wie ein Schlachtfeld.
Das Kind quengelt seit fünf Minuten wegen einem Apfel, der angeblich falsch geschnitten ist.
Auf dem Boden liegt Spielzeug, das vorher definitiv nicht dort lag.
Die Waschmaschine läuft, oben stehen noch vier weitere Ladungen, die eigentlich längst rein sollten.
Du willst eine Schüssel für das Müsli greifen, aber – haha – natürlich sind keine mehr da.
Also erst die Schüssel spülen, obwohl du eh schon spät dran bist.
Und während das alles gleichzeitig passiert, spürst du jeden einzelnen Reiz zehnmal stärker als andere Menschen.
Ich sag’s dir ehrlich: Es ist wie ein inneres Vibrieren, das sofort auf Anschlag geht.
Reizüberflutung.
Sofort.
Noch bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat.
Das ist es, was viele nicht verstehen.
Dein Nervensystem tickt anders.
Feiner. Sensibler. Schneller.
Und ja, das ist so krass.
Was eine hochsensible Mama wirklich ausmacht
Hochsensibilität heißt nicht, dass du „zart“ bist oder „empfindlich“.
Es bedeutet ganz einfach, dass dein Nervensystem viel feiner filtert. Du nimmst Geräusche, Gerüche, Stimmungen und Details wahr, die andere gar nicht registrieren.
Wissenschaftlich, ganz einfach erklärt:
Dein Gehirn verarbeitet Reize intensiver.
Das limbische System, also der Teil, der Emotionen reguliert, ist aktiver.
Stresshormone wie Cortisol springen viel schneller an.
Dein Körper denkt: „Achtung, Gefahr!“
Obwohl da eigentlich nur irgendwo Geräusche sind und vielleicht ein schlecht gelauntes Kind sind.
So sieht das im Alltag aus:
• Kind spricht zum dritten Mal innerhalb 30 Sekunden mit dir, während von überall verschiedene Geräusche zu hören sind
• Spielzeug fällt, und du spürst es körperlich
• Stimmen werden plötzlich lauter, dein Kopf brennt
• Deine To-do-Liste fühlt sich an wie emotionaler Druck in der Brust
Und genau da beginnt die Überforderung, noch bevor du überhaupt die Tür aufgemacht hast.
Warum Hochsensibilität im Mama-Alltag so sichtbar wird
Als Mama hast du keine Pausen.
Keinen Reizschutz.
Meistens keine Rückzugsmöglichkeit zwischen den Reizen.
Deshalb wirkt es bei dir so extrem.
Normale Tipps wie „ruhig bleiben“ oder „einfach entspannen“ sind für dich wie ein schlechter Witz.
Weil dein Nervensystem im Alltag die ganze Zeit im Turbo-Modus läuft.
Du fühlst intensiver.
Du verarbeitest intensiver.
Du reagierst schneller.
Und du brauchst mehr Pausen als andere. Nicht, weil du schwach bist, sondern weil dein Nervensystem auf Profi-Level arbeitet.
Die harten Situationen im Alltag: ungeschönt, wie sie wirklich sind
Ich sag’s dir ehrlich, diese Situationen killen uns Hochsensible richtig:
• Geräuschchaos im Bad: Kind spricht, Dusche läuft, irgendwas fällt runter und du willst einfach nur eine Geräuschpause.
• Besuch von Freunden, alle reden durcheinander und du bist nach 20 Minuten innerlich leer.
• Kinder streiten im Auto und dein Kopf fühlt sich an, als würde er brennen.
• Spontane Pläne anderer und in dir geht sofort alles zu.
• Haushaltschaos, normaler Menschen sagen „naja, bisschen unordentlich“, du denkst „ich kann nicht mehr, es muss beseitigt werden“.
• Stimmungen anderer, jemand ist gereizt und du wirst emotional komplett mitgezogen.
Und das Schlimmste?
Du fragst dich ständig, ob du „überreagierst“.
Aber nein. Dein Nervensystem reagiert einfach stärker. Punkt.
Tools, Übungen, Ideen, Routinen, die wirklich funktionieren
Hier kommt, was dir wirklich hilft.
Nicht dieses 0815-Yoga-Atme-mal-tief-durch-Zeug, das meistens null bringt.
Sondern Dinge, die dein Nervensystem wirklich runterfahren.
1. Eine Mini-Atemübung
20 Sekunden.
Lang ausatmen.
Wirklich lang.
Der Körper schaltet runter wie ein alter Laptop.
2. Reizpause im Bad
Tür zu.
3 Minuten.
Nicht reden. Keine Reize. Nur du.
Das rettet Leben.
3. Mini-Meditation
Nicht dieses „setz dich hin und sei still“, sondern 60 Sekunden Ankommen.
Reicht.
4. Reizschutz Morgenroutine
5 Minuten für dich, bevor die Kinder wach sind: absoluter Game Changer.
5. Abendritual mit Wärme
Wärme signalisiert dem Nervensystem: „Wir sind sicher.“
6. Grenzen setzen, aber für dich
Nicht für die anderen.
7. One Room Retreat
Ein Raum, der aufgeräumt bleibt.
Ein Raum, der nicht nach Chaos schreit.
8. Reizfreie Zonen
Weniger Zeug, weniger Eindrücke.
9. Journaling zum Entladen
Emotionaler Druck raus.
10. Körperreset durch Gewicht
Gewichtsdecke (hier)
10 Minuten reichen schon.

Meine Must Have Tools
Gewichtsdecke (hier)
Ich liege abends drunter und mein Nervensystem fährt runter wie ein alter Laptop.
Das ist so krass.
Du merkst sofort, wie dein Körper loslässt.
Noise Cancelling Kopfhörer (hier)
Wenn die Kinder durcheinander reden und dein Gehirn schreit…
Ein Knopfdruck.
Stille.
Absoluter Game Changer.
Lavendel Roll-on (hier)
Wenn du merkst, dein Kopf brummt nach zehn „Mamaaaa“ innerhalb 5 Minuten: Roll-on, Handgelenk, tief atmen.
Wie Magie.
Rotlichtlampe (hier)
Abends 10 Minuten davor sitzen und fühlen, wie dein ganzer Körper runterfährt.
Blaulichtfilterbrille (hier)
Abendliche Handyzeit ohne dieses unangenehme Vibrieren im Kopf.
Pure Erleichterung.
3. Q&A: die Fragen, die jede hochsensible Mama stellt
Frage 1: Warum bin ich als Mama so schnell überfordert?
Weil dein Nervensystem keine Pause bekommt. Du verarbeitest Reize intensiver und schneller, und Kinder produzieren nonstop Reize. Das ist eine Kombi, die jeden umhaut.
Frage 2: Ist Hochsensibilität angeboren oder kommt das erst mit den Kindern?
Angelegt ist es meist seit Geburt. Die Kinder bringen es nur stärker zum Vorschein, weil du plötzlich ohne Reizschutz lebst.
Frage 3: Wie kann ich als HSP meine Energie besser schützen?
Pausen einplanen, Grenzen klar kommunizieren, weniger Termine, weniger Chaos, mehr Ruhe. Wirklich radikal runterfahren.
Frage 4: Warum brauche ich so viel Ruhe, obwohl ich nichts Besonderes gemacht habe?
Weil du innerlich viel mehr verarbeitet hast als Außenstehende sehen. Reize, Emotionen, Stimmungen – alles geht durch deinen inneren Filter, und der arbeitet auf Hochleistung.
4. Fazit
Du bist nicht empfindlich.
Du bist nicht schwach.
Du bist nicht „zu sensibel“.
Du bist fein eingestellt.
Und genau das ist deine Stärke.
Du brauchst nur Strategien, die zu dir passen, nicht zu Menschen, die weniger wahrnehmen.
Wenn du das verstehst, ändert sich alles.
Wirklich alles.
Wenn dich das Thema Nervensystem & Regulation interessiert, dann wirf doch nochmal einen kurzen Blick auf den Blog (hier)
Endsatz:
Du schaffst das, wirklich. Dein Nervensystem braucht nur dich und ein bisschen Liebe.




