Ich sag’s dir ehrlich:
Ich hatte in meiner Schwangerschaft so typische Mama-Momente. Du kennst sie. Dieses „Ich wollte eigentlich nur aufs Klo, aber plötzlich stehen zwei Kinder vor mir, ein Kuscheltier liegt im Klo, und der Kaffee ist schon wieder kalt“-Gefühl.
Das ist so krass, wie schnell man als Mama von ganz normal in „ich halte mich hier nur noch mit Spucke zusammen“ switchen kann.
Und genau dieses Gefühl, dieses innere „Oh Gott, ich habe null Kontrolle mehr über die Situation“, ist das, was mir so viele Schwangere schreiben.
Nicht wegen dem Kuscheltier im Klo, aber du weißt, was ich meine.
Dieses Kontrollverlust-Gefühl.
Dieses Was kommt als nächstes?
Dieses Ich bin eh schon am Limit, wie soll ich da eine Geburt schaffen?
Und dann kommen die Nachrichten:
„Lisa… ich hab Angst vor der Geburt. Richtige Angst.“
Und meist geht es gar nicht um die Geburt an sich.
Sondern um dieses Gefühl, das du auch an so einem kläglichen Dienstagmorgen im Badezimmer hast:
Kontrollverlust. Ungewissheit. Und ein Körper, der schon vor dem Denken reagiert.
Das ist der Schmerz.
Da sitzt er.
Ganz tief. Und er tut weh.
Viele Frauen erzählen mir genau das:
- „Ich hab Angst, die Kontrolle zu verlieren.“
- „Ich hab Angst vor dem Schmerz.“
- „Ich hab Angst, dass es wieder so schlimm wird wie beim letzten Mal.“
- „Ich hab Angst, weil ich nicht weiß, was passiert.“
- „Ich hab Angst, dass mich im Krankenhaus keiner ernst nimmt.“
- „Und ich schlafe jetzt schon schlecht, mein Körper fährt ständig hoch…“
Und ich sag dir:
Du bist nicht kaputt.
Du bist nicht empfindlich.
Du bist nicht „zu schwach“.
Du hast ein aktives Nervensystem, das dich schützen will.
Und genau darum geht es in diesem Artikel.
Was Angst vor der Geburt WIRKLICH ist und warum dein Nervensystem am Rad dreht
Lass uns kurz tief einsteigen. Keine Fachbegriffe, kein Geburtsvorbereitungskurs.
Wenn du „Angst vor der Geburt“ googelst, liest du oft:
„Die Ursache ist die Ungewissheit.“
„Man darf keine Angst haben.“
„Einfach entspannen.“
Wie nervig.
Die Wahrheit ist:
Angst vor der Geburt ist keine Charaktereigenschaft.
Es ist Biologie.
Es ist dein Nervensystem.
Dein System liebt:
- Vorhersagbarkeit
- Kontrolle
- Sicherheit
- klare Abläufe
Und was ist Geburt?
Das Gegenteil von allem.
Geburt ist unvorhersehbar.
Geburt ist körperlich.
Geburt ist existenziell.
Geburt ist ein Ausnahmezustand.
Alleine die Vorstellung davon reicht aus, dass dein Nervensystem sagt:
„Ähm… ich mach hier schonmal die Alarmanlage an.“
Und dann kommen die klassischen Mama-Szenen, die alles triggern:
1. Szene:
Du stehst im Bad, willst eigentlich nur eine ruhige Minute, dein Bauch ist hart, und du denkst plötzlich:
„Und wie soll ich bitte diese Schmerzen aushalten?“
2. Szene:
Du liest einen Erfahrungsbericht im Internet und merkst, wie dein Herz schneller wird. Deine Hände werden warm. Dein Kopf macht Geschichten draus, die nichts mit dir zu tun haben.
3. Szene:
Du wachst nachts auf. Kein Grund. Einfach wach. Gedankenkarussell an. Adrenalin an. Schlaf aus.
4. Szene:
Du hast plötzlich Flashbacks von deiner ersten Geburt. Vielleicht war sie schlecht. Vielleicht war sie chaotisch. Vielleicht fühltest du dich allein.
5. Szene:
Du sitzt im Auto und denkst: „Was, wenn ich zu spät bin?“
Nervensystem auf 180.
6. Szene:
Du bist in der Klinik und merkst, wie du still wirst. Nicht redest. Nicht mehr spürst. Freeze. Reiner Schutzmechanismus.
Das ist alles kein „Ich stelle mich an“.
Das ist Polyvagal-Theorie in Reinform.
Dein Körper versucht, dich zu schützen.
Und DU kannst lernen, mit ihm zu arbeiten statt gegen ihn.
Die 6 größten Schmerzpunkte und was wirklich dahinter steckt
1. Angst, die Kontrolle zu verlieren
Das ist so krass: Viele Frauen denken, sie verlieren die Kontrolle.
Aber eigentlich übernimmt dein Körper nur einen Job, den dein Kopf noch nicht versteht.
2. Angst vor Schmerz
Ja. Schmerz ist ein Thema.
ABER: Schmerz + Angst = Hölle.
Schmerz + Sicherheit = komplett anderes Erlebnis.
Das ist ein absoluter Game Changer.
3. Angst, dass es wieder so schlimm wird
Das ist Trauma.
Nicht Mutterschaftsunfähigkeit.
Ein alter Stress, den dein Körper noch gespeichert hat.
4. Angst vor Ungewissheit
Menschen hassen Ungewissheit.
Schwangere hassen sie DOPPELT.
Weil das Nervensystem vorher schon überreagiert.
5. Angst vor der Klinik-Situation
Viele Frauen fühlen sich übergangen. Oder nicht ernst genommen.
Safety Cues fehlen.
Das Nervensystem schaltet sofort in Freeze.
6. Körperlicher Stress schon Wochen vorher
Cortisol.
Adrenalin.
Schlafprobleme.
Herzrasen.
Das alles ist normal.
Nicht angenehm, aber normal.
6 Situationen, in denen dein Alltag deine Geburtsangst verstärkt
Hier die ehrliche, ungeschönte Liste:
- Wenn du nachts wach wirst und Google öffnest.
- Wenn du eine Horrorstory liest und dein Körper sofort reagiert.
- Wenn dir jemand ungefragt erzählt, „wie schlimm“ es war.
- Wenn du das Gefühl hast, niemand versteht dich.
- Wenn du zu viel Verantwortung trägst und keine Pausen hast.
- Wenn deine letzte Geburt wie ein Schatten hinter dir steht.
Tools, Übungen, Ideen, die dein Nervensystem wirklich runterfahren
Und jetzt kommen die echten, einfachen, alltagsfreundlichen Tools.
1. Atmen in den unteren Bauch (3 Minuten)
Ich weiß, klingt langweilig.
Aber für das Nervensystem ist es ein absoluter Game Changer.
2. Wärme im unteren Rücken
Thermopad.
Sofortiger Safety Cue.
3. Körperposition wechseln
Nervensystem liebt Bewegung.
4. „Ich bin sicher“-Mini-Sätze
Kurze, leise Safe-Sätze für den Körper.
5. Geburtsball für Wehenarbeit und Entspannung
Bewegung + Druckentlastung = Sicherheit.
6. Meditationen am Abend
Nicht perfekt. Nicht lang. Einfach machen.
7. Partner-Checkliste
Damit er sich nicht nutzlos fühlt und DU nicht alleine bist.
8. Kliniktasche früh packen
Vorhersagbarkeit = weniger Angst.
9. Akupressurpunkte im Alltag üben
Kannst du sogar beim Fernsehen machen.
10. Affirmationen sichtbar machen
Kühlschrank, Spiegel, Handy.

Die Dinge, die mich wirklich gerettet haben (und die dein Nervensystem sofort feiert)
1. Geburtsball mit Anti-Rutsch-Beschichtung (hier)
Ich hab meinen damals im Wohnzimmer stehen gehabt und meine Kleinste hat gedacht, es ist ein neuer Spielball für ihn.
Und trotzdem:
Ich sag’s dir ehrlich, dieser Ball hat mich durch die Hälfte der Schwangerschaft getragen.
Bewegung, Hüfte öffnen, Nervensystem beruhigen.
2. Hörbücher Hypnobirthing, Flowbirthing (hier)
Die einzige Chance, wie du als Mama entspannt etwas lernst?
Hören.
Nicht lesen, lesen klappt nie.
Ich hatte damals Flowbirthing und Hypnobirthing im Auto laufen.
Im Haushalt.
Beim Spazieren.
Beim Einschlafen.
Das ist so krass hilfreich.
3. Yoga-Kissen (hier)
Für die letzten Wochen ein absoluter Game Changer.
Ich hab drauf gesessen, meditiert, mich nach vorne gelehnt, den Rücken entlastet.
Dein Nervensystem liebt sichere, stabile Positionen.
4. Meditationskissen (hier)
Gleiche Kategorie, aber noch fester.
Perfekt für Atemübungen, Affirmationen, ruhige Abende.
Und es sieht hübsch aus, was in dieser Chaos-Zeit einfach gut tut.
5. TENS-Gerät (hier)
Oh mein Gott.
Wenn ich das früher gekannt hätte.
Die Schmerzwellen verteilen sich, dein Nervensystem hat eine neue Fokusstelle, und du bist wieder in deinem Körper statt im Panikmodus. Immer abklären mit der Hebamme.
6. Geburtsaffirmationskarten (hier)
Diese kleinen Kärtchen liegen plötzlich überall.
Im Bad.
Im Schlafzimmer.
Im Auto.
Und du denkst:
„Warum weine ich jetzt eigentlich, nur weil da steht: Du bist sicher.“
Das ist so krass.
Ich liebe die.
Q&A: Die Fragen, die sich jede Mama stellt und die kaum jemand laut beantwortet
Frage 1: Was hilft WIRKLICH gegen Angst vor der Geburt?
Ehrlich?
Dein Nervensystem.
Wenn das ruhig ist, bist du ruhig.
Nicht andersrum.
Frage 2: Wie werde ich die Angst los?
Nicht loswerden.
Verstehen.
Beruhigen.
Begleiten.
Mit Tools, die du täglich üben kannst.
Frage 3: Was mache ich, wenn die letzte Geburt schlimm war?
Dein Körper erinnert sich.
Aber er kann auch NEU lernen.
Bitte hör auf, dich dafür schlecht zu fühlen.
Frage 4: Was kann mein Partner tun?
Mehr als du denkst.
Halten, atmen, erinnern, massieren, sichern.
Und vor allem: deine Wünsche respektieren.
Frage 5: Was, wenn ich im Krankenhaus nicht ernst genommen werde?
Vorbereiten.
Aufschreiben.
Klar kommunizieren.
Und eine Begleitung mitnehmen, wenn du kannst.
Frage 6: Warum bin ich schon Wochen vorher nervös?
Weil dein Körper sich vorbereitet.
Nicht weil du „zu empfindlich“ bist.
Fazit
Ich sag’s dir ehrlich:
Angst vor der Geburt ist nicht das Ende deiner Stärke.
Es ist der Anfang davon.
Diese Angst zeigt dir, wo dein Körper Schutz braucht.
Wo du Ruhe brauchst.
Wo du früher gehört werden wolltest.
Und wo du heute die Chance hast, es anders zu machen.
Du bist nicht allein.
Du bist nicht falsch.
Und du musst das nicht perfekt machen.
Du musst nur wissen, wie dein Nervensystem funktioniert und wie du es wieder beruhigst.
Weiterer Artikel:
→ Nervensystem verstehen
→ Aromatherapie in der Schwangerschaft
→ Schmerzfreiere Geburt durch die Louwen Diät?
Abschluss-Satz:
Du schaffst das. Nicht, weil du musst. Sondern weil dein Körper dafür gemacht ist.


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