Mein positiver Geburtsbericht

Ein positiver Geburtsbericht – wie sehr hatte ich mir gewünscht genau so einen schreiben zu dürfen. Und nun sitze ich hier, eine Woche nach der Geburt unserer Tochter, die in ihrem Moses Körbchen gerade neben mir friedlich schlummert und schreibe ihn! (Okay, online geht er vermutlich etwas später) Ein Geburtsbericht der schonungslos ehrlich sein wird und trotzdem positiv! Das heißt, lehnt euch zurück und macht euch gefasst auf meine absolute Ehrlichkeit.

Die Nacht von Montag auf Dienstag

Ich hatte einen richtig miesen Montag. Wir hatten einen kleinen Vorfall hier, der mich sehr geärgert hat. Zusätzlich dazu war ich ja schon sehr lange genervt, auch wenn ich zwischendurch ein paar gute Tage hatte und voller Positivität durch den Tag ging. Ich hatte einfach überall Schmerzen. Zwar konnte ich sie immer wieder lindern mit meinen Ölmischungen, aber ich musste sie eben auch immer wieder auftragen. Mein Rücken, die Symphyse, die Beine, das Zwerchfell, die schmerzhaften Tritte, die Blase – na ihr wisst schon. Wir sind, wie die Wochen zuvor, recht früh ins Bett und ich war einfach nur froh, wenn ich schlafen konnte. Zusätzlich dazu hatten wir uns natürlich gewünscht, dass es am Wochenende los gehen würde – naja da kann man sich ja wünschen was man will, nicht wahr! Nun gut, gegen 3 Uhr nachts bin ich aufgewacht und dachte mir nur “Jetzt reicht es! Ich habe ernsthaft jetzt ins Bett gepinkelt!?!? Das darf doch verdammt noch mal nicht wahr sein!” Ich stehe also auf, klettere aus dem Bett, laufe über den Teppich ins Bad und merke wie es einfach weiter rinnt. Spätestens als ich dann auf Toilette war, wurde mir klar, dass es kein Urin sein kann.

Photo by Jonathan Borba on Unsplash

Ein Blasensprung

Noch die Woche vorher hatte ich das Gespräch mit einer Frauenärztin, die ich bisher noch nicht kannte und wir waren uns beide einige, dass es eher selten mit einem Blasensprung anfängt. Ja auch ich dachte, dass es mit Wehen beginnt, aber Pustekuchen. Ich sitze also auf Toilette, die Hände im Gesicht und dachte mir nur ” Na toll, wenn jetzt keine Wehen einsetzen heißt es doch Einleitung im Krankenhaus nach 12-18 Stunden!” Nun gut, es ist wie es ist. Ich stopfe mir also alles ein bisschen mit Toilettenpapier aus und stapfe ins Schlafzimmer zurück und wecke meinen Mann. “Schatz, du musst morgen nicht auf die Arbeit” Häääää… “Ja, meine Fruchtblase ist gerissen oder geplatzt, ich weiß es nicht, aber es läuft.” “Ja, wie jetzt, geht es jetzt los oder wie?” Ich: “Nene, wir schlafen jetzt erst nochmal.” Also haben wir noch bis circa halb 6 geschlafen. Dann sind wir aufgestanden und ich habe erstmal die Hebamme angerufen. Mittlerweile hatte ich ganz leichte Wehen – oh wie kann man sich nur so sehr über Schmerzen freuen? Die Hebamme meinte dann wir sollen so um halb 10 mal ins Geburtshaus kommen. Mein Gedanke: “Was, in 4 Stunden erst?”

4 Stunden später

Wie cool, dass ich meine Apple Watch hatte. Ich hatte die Tage davor schon immer darauf geachtet, dass sie bloß aufgeladen war, denn ich hatte einen Wehenzähler auf der Uhr, die mir dann auch gegen 9 Uhr schon sagte, dass die Wehen so alle 6 Minuten kommen. Das fand ich dann schon ziemlich gut, aber sie waren so schwach, dass ich auch da kurz den Mut verloren hatte und mir dachte, dass diese bestimmt nicht muttermundwirksam seien. Im Geburtshaus angekommen wurde ich direkt untersucht und siehe da – immerhin 2 cm, also 20% geschafft. Übrigens stieg ich aus dem Auto, die Hebamme hat uns draussen schon erwartet und meinte nur so wie ich aus dem Auto steige und aussehe, ist noch alles ganz easy und dauert noch. Zusätzlich zu den 2 cm hat die Hebamme festgestellt, dass ein Stück intakte Fruchtblase vor dem Muttermund lag, weshalb sie diesen mit einigen nicht ganz angenehmen Griffen wegschieben musste und sich so erstmal eine Menge Fruchtwasser löste. Jetzt sollten die Wehen auch stärker werden, da der Kopf nun besser nach unten drücken kann ohne eine Schicht Fruchtwasser dazwischen.

Der Rizinuscocktail

Wir kamen dann natürlich auch recht schnell zum Thema Einleitung und sie meinte dann, sie würde mir gerne einen Rizinuscocktail vorbereiten in der “halben” Dosis. Ich gleich schon, oh neeee. Danach wieder heimfahren? Dann brauche ich einen Eimer für oben und einen für unten. Ich meine, ich habe bisher ja nur davon gehört, aber fand die Vorstellung schon eklig. Wenn man Rizinusöl einnimmt, kommt es dann nicht aus allen – Entschuldigung – Löchern? Ja, aber die Entscheidung ist schon während dem Jammern gefallen. Lieber das Probieren und eventuell um eine Einleitung herum kommen, als ein paar Stunden später ins Krankenhaus zu fahren und dieses ganze Corona-Gedöns mitmachen müssen plus Chemiecocktail. Ich dachte sie kommt mit einem kleinen Shot – Augen zu und durch! Pustekuchen – ein richtig schönes großes Glas mit Pfirsischsaft, Baileys und Rizinusöl. Die Fettaugen schwammen ganz wunderbar an der Oberfläche und ich brauchte gefühlt Ewigkeiten bis ich ihn runter hatte. Danach wollte ich dann bitte auch so schnell wie möglich wieder heim. Um halb 2 sollen wir einfach wieder kommen. Puh, halb zwei sind ja dann doch noch ne ganze Weile.

Home Sweet Home

Wieder zuhause angekommen passierte erstmal nichts – weder eine Verstärkung der Wehen, noch irgendwelche Nebenwirkungen des Cocktails. Also habe ich mir erstmal schön Greys Anatomy angemacht, für euch noch ein Bild davon in den Stories gepostet und ab auf meinen Gymnastikball. So nach einer Stunde wurde es dann schon etwas intensiver und ich hoffte eigentlich nur, dass es reicht. Um halb 1 sagte ich dann meinem Mann, dass ich jetzt gerne losfahren würde – eine halbe Stunde früher als geplant – denn “Wenn ich jetzt nicht hier weggehe, bleibe ich hier zuhause.” Uh, die Fahrt ins Geburtshaus (20 Minuten) war dann schon holprig und bitter.

Dann ging es auch schon ans Eingemachte

5 cm war der Muttermund offen – hätte ich niemals erwartet! 50% geschafft! Yay! Dann wurden die Wehen schon fieser und ich wollte gerne einen Ball. Den und eine Yogamatte bekam ich dann auch und klebte danach dann an ihm fest. Ich umarmte ihn und gleichzeitig einen Arm meines Mannes, der eine ziemlich miese Position dafür einnehmen musste. Zwischendurch wurde etwas Musik aufgelegt, erst Enya, dann ein bisschen Silbermond – wie an unserer Hochzeit – wie passend. Ich wurde komplett in Ruhe gelassen, auch wurde nicht mehr untersucht und ich wusste auch nicht wo genau ich mich befinde, was ich aber eher als angenehm empfand. Im Krankenhaus wird dann ja doch häufiger gecheckt, wie weit der Muttermund geöffnet ist. Das einzige was hin und wieder überprüft wurde sind die Herztöne. Dazu wurde das CTG einfach für wenige Minuten auf den Bauch gelegt, ich habe davon eher wenig mitbekommen. Die Herztöne waren übrigens durchgehend super gut, weshalb ich also weiter vor mich hin “wehen” konnte.

Hoch aufs Bett

Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich die Maus in genau der Position gebären kann, doch irgendwie sollte ich aufs Bett und mich anders hinlegen, wieso weiß ich ehrlich gesagt nicht. Zwischen einer Wehe bin ich also schnell hoch und dann kamen auch schon regelmäßige Presswehen, die, ja man muss es schon sagen, eigentlich nicht auszuhalten waren. So hat man mich vermutlich noch 10 Häuser weiter gehört und das obwohl ich eigentlich jemand bin, der sich gefühlsmäßig immer sehr zurück hält, vor Allem gegenüber eher “Fremden”, aber auch gegenüber Bekannten. Es war aber in der Tat nicht mehr möglich mich zusammen zu reißen. Nach einigen Presswehen bemerkte ich, dass es nicht vorwärts geht und das schrie ich auch lauthals heraus. Es stellt sich dann heraus, dass die zu kurz geratene Nabelschnur um die Schulter geschlungen war und deshalb das Köpfchen nicht geboren werden konnte. Achtung, jetzt wird es brenzlig. Die Hebamme musste sie mit beiden Hände herausziehen und vorher noch die Nabelschnur von der Schulter nehmen. Sie sagte nur, sie könne auch schneiden, hatte die Schere schon in der Hand, aber das wollte ich unter keinen Umständen. Doch dann war sie endlich geboren. Das kleine winzige Würmchen.

Photo by Luma Pimentel on Unsplash

Bonding Zeit

Natürlich kam sie direkt auf meinen Bauch und nach 10-15 Minuten habe ich sie gleich angelegt. So lagen wir da ganze zwei Stunden. Wie sich das anfühlt muss ich euch vermutlich nicht erklären – wirkliche Worte gibt es dafür tatsächlich auch nicht. Es ist etwas, dass sich einbrennt, es ist aufregend und beruhigend zugleich, es fühlt sich an wie in einem Rausch. Wer sich also immer wieder fragt wie kann man noch ein Kind bekommen bei solch einem “Geburtsschmerz”, nach einer anstrengenden Schwangerschaft, dann noch das Wochenbett, eventuelle Verletzungen usw. – dem sei gesagt, es ist beinahe wie eine Droge. Dieses Gefühl beflügelt und was war ist vergangen und spielt keine Rolle mehr. Was noch kommt im Wochenbett ist egal, wenn man sich den kleinen Mensch, der heimlich in dem eigenen Bauch gelebt hat, anschaut.

Die Nähte

Das war zugegebenermaßen ziemlich bitter und ich fragte auch häufiger mal, ob man das nicht einfach so lassen kann, es würde ja nicht weh tun. Klar war mir bewusst, dass das nicht möglich ist, aber Haut nähen ist einfach ziemlich eklig und dann auch noch in solch einem Bereich! Die ganze Prozedur hat Ewigkeiten gedauert, beinahe mehr als die Geburtszeit im Geburtshaus. Es waren viele Stiche, viele Nähte und trotz das es vorher mit Spritzen betäubt wurde, spüre ich die Stiche und das durchgezogene Nahtmaterial heute noch. Ich sagte ja, es wird schonungslos. Das komische ist ja, der Schmerz ist dabei nicht besonders stark – sondern die Angst macht den Schmerz viel größer. Ich war extrem angespannt und wurde ständig ermahnt locker zu bleiben. Es war beinahe nicht möglich. Eine alte Naht ist wieder aufgegangen und diverse andere dazu. Ein Riss war so tief, dass leider noch mal ein Arzt kommen musste. So lag ich da gefühlt Ewigkeiten herum, obwohl ich doch eigentlich fertig war. Ich kann euch nicht sagen welch Hochgefühl das war, als es hieß, dass wir endlich fertig sind. Trotz des netten Nachsatzes “Die Fäden müssen aber auch wieder raus.” Okay, daran wollte ich vorerst nicht denken.

Ab unter die Dusche und dann im direkten Weg nach Hause!

Ich fragte dann, ob wir denn gehen können und meine Hebamme meinte nur “Nene, so lass ich dich nicht hier rausspazieren. Wir schauen jetzt nach dem Baby und du gehst mal schön duschen.” Gesagt getan. Aufstehen war kein Problem und auch Duschen war angenehm und völlig in Ordnung. Mir wurde dann noch in frische Kleidung geholfen, mein HB Wert wurde nochmal gemessen (er war doch nach der Geburt echt höher als davor!), die Nadel, die wir nicht benötigt haben, wurde aus meiner Hand entfernt, die Maus eingepackt und ab gings nach Hause!

Photo by Melvin Thambi on Unsplash

Für mich hätte es insgesamt nicht besser laufen können, ich bin doch sehr zufrieden, auch wenn ich mich bei den Presswehen gerne mehr unter Kontrolle gehabt hätte. Aber man kann ja auch nicht zu viel verlangen!

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