Sauerteig – Ansetzen, Füttern, Backen: Wie mir ein Glas voller Blubberblasen damals Halt gegeben hat (und was das heute mit einem ruhigen Nervensystem zu tun hat)

Blonde Frau in einer hellen Küche knetet Sauerteig Brotteig auf einem Holzarbeitsplatz, umgeben von Gärkörbchen und Zutaten.

Sauerteig ansetzen, füttern und damit backen

Wenn ich heute zurückschaue, dann ist es fast verrückt, wie sehr ein einziges Ritual – Sauerteig ansetzen – mein komplettes Mama-Leben geprägt hat. Und nein, nicht weil ich damals „super entspannt“ war und aus purer Muße Brot gebacken habe. Ganz im Gegenteil.

Ich war wie so viele Mütter:
– ständig müde,
– ständig in Alarmbereitschaft,
– ständig „Ich funktioniere einfach, egal was kommt“.

Und irgendwo dazwischen stand ein Glas mit Mehl und Wasser auf meiner Küchenarbeitsplatte oder im Kühlschrank und blubberte fröhlich vor sich hin. Während ich innerlich ständig kurz vorm Überkochen war, hatte dieser Sauerteig eine Ruhe, die ich selbst nicht hatte.

Damals dachte ich, ich tue es, „weil es gesünder ist“ oder „weil ich weiß, was drin ist“.
Heute weiß ich:
Es war auch Nervensystem.
Es war Ritual.
Es war der Versuch, mir selbst irgendwie Boden zu geben, wenn der Alltag mich wieder durch den Fleischwolf gedreht hat.

Und auch wenn mein Leben heute anders aussieht, ich viel bewusster auf mein Nervensystem höre, mehr Pausen mache und nicht mehr jede Woche drei Brote backe: eins hat sich nicht geändert:

Sauerteig ist etwas Schönes.
Aber es soll dich regulieren, nicht auffressen.

Ich backe immer noch.
Manchmal kaufe ich auch einfach beim Bäcker.
Und meine Kinder fragen regelmäßig:
„Mama, wann machst du wieder dein Brot? Das schmeckt so gut!“

Ich liebe das.
Aber ich liebe auch mein wiedergefundenes Gefühl von innerer Ruhe und das gebe ich jetzt weiter.

Lass uns also eintauchen:
In ein Mama-Leben zwischen Fermentation, Überforderung, Selbstregulation und dem ersten Sauerteig, der bei vielen von uns irgendwann in einer Ecke des Kühlschranks verhungert ist.


Rundes Sauerteigbrot mit kunstvoll eingearbeiteten Blatt- und Spiralmustern, liegend auf einem beigen Leinentuch auf einem Holztisch.

Wieso man mit Sauerteig backen sollte

Oder: Warum ein gutes Brot mehr ist als nur Kohlenhydrate

Bevor wir in die Anleitung gehen, lass uns kurz ehrlich sein.

Mütter haben keine Zeit.
Aber Mütter haben ein tiefes Bedürfnis nach Dingen, die echt sind.
Ehrlich. Natürlich. Verlässlich.

Und genau da kommt Sauerteig ins Spiel.

Deine Gründe sind wahrscheinlich wie meine:

– Du weißt, was drin ist. Kein Quatsch, keine Zusatzstoffe.
– Dein Blutzucker bleibt stabiler (hallo weniger Heißhunger, hallo weniger Cortisolspitzen).
– Es ist bekömmlicher, weil der Teig quasi „vorverdaut“ ist.
– Es schmeckt einfach unfassbar gut.
– Deine Familie liebt dich dafür.
– Und ganz ehrlich: Es hat etwas Extrem-Beruhigendes, etwas in den Händen zu haben, das Zeit braucht. Das langsam ist. Das keine Eile kennt.

Aber es gibt noch etwas:
Fermentation verändert Gluten.
Es wird durch die Mikroorganismen aufgespalten und dadurch für viele Menschen deutlich verträglicher.

Und:
Ein Sauerteigbrot hält länger, schimmelt später, bleibt länger saftig – weil es noch lebt, wenn du es in den Ofen schiebst.

Ganz ehrlich: Das ist Magie.


Warum ich damals dachte, ein Sauerteigansatz könnte meinen Mama-Overload retten

Der Sauerteigansatz – Einfacher als du denkst!

Der „Start“ meiner Sauerteig-Reise war eigentlich ein kompletter Unfall.

Ich wusste nicht, dass man Sauerteig selbst ansetzen kann.
Also habe ich meinen ersten Ansatz gekauft.
Hochmotiviert.
Drei Tage später war er tot wie ein Goldfisch im Kinderzimmer.

Nicht gefüttert.
Nicht gepflegt.
Einfach vergessen.

Und während mein Alltag weiter gerattert ist wie eine Waschmaschine im Schleudergang, stand irgendwo in der hintersten Ecke meines Kühlschranks ein kleines Glas, das so dringend Pflege gebraucht hätte wie ich selbst und ich habe beide ignoriert.

Später habe ich meinen ersten Dinkel-Sauerteig selbst angesetzt.
Ergebnis: Auch tot.
Ich hätte genauso gut versuchen können, ein Haustier aus Mehl aufzuziehen.

Aber irgendwann hat es geklickt.
Ich habe verstanden, wie es geht.
Ich habe verstanden, dass es nicht kompliziert ist, nur regelmäßig.
Und irgendwann hatte ich zwei richtig starke Sauerteige im Kühlschrank, die bis heute leben.

Wenn du also denkst, du würdest es nicht schaffen:
Doch, tust du.
Und ich zeige dir jetzt, wie.


Anleitung für einen Sauerteigansatz

Du brauchst dafür:

– Roggenmehl (Bio, frisch, am besten selbst gemahlen)
– Wasser
– 2 Schraubgläser

(Kleiner Mama-Hinweis: Stell es nicht dahin, wo du 100x am Tag vorbeirennst. Du wirst es sonst ignorieren. Frag nicht, woher ich das weiß.)

Tag 1:
25 g Mehl + 25 g Wasser mischen. 24 Stunden warm stehen lassen.

Tag 2:
Noch einmal 25 g Mehl + 25 g Wasser zugeben.

Tag 3–6:
Jeden Tag wiederholen.

Tag 7:
Du hast offiziell ein Sauerteigbaby.

Back dein erstes Brot.
Den Rest stellst du in den Kühlschrank.
Danach nimmst du dir immer 1 TL ab, fütterst ihn wieder mit 25 g Mehl + 25 g Wasser und lässt ihn 24 Stunden warm stehen, bevor du backst.


Sauerteigansatz kaufen

(Und warum manche Starter absolute Lebensretter sind)

Wenn du keine Lust auf „Tag 1–7“ hast, kannst du dir einen Starter kaufen.

Und jetzt sag ich dir was:
Die günstigen aus dem Supermarkt kannst du vergessen.
Die sterben schneller, als du „Hilfe!“ sagen kannst.

Was sich wirklich lohnt:

→ Bio-Sauerteigstarter (z. B. fairment)
– wilde Fermentation
– keine Zusatzstoffe
– starkes Wachstum
– funktioniert zuverlässig

Wenn du Mutter bist, willst du keine 17 Fehlversuche.
Du willst ein Brot.
Möglichst dieses Wochenende.


Wie du deinen Sauerteig fütterst und pflegst

Du fütterst ihn im Kühlschrank 1× pro Woche.
Manche füttern alle zwei Wochen.
Ich bin da entspannter geworden: Nervensystem first.

Woran du erkennst, ob er triebstark ist?
Blasen.
Viele kleine und große.
Wenn er aussieht wie eine gute Laune in einem Glas, dann ist er bereit.


Was ist Fusel und was hat das zu bedeuten?

Fusel ist diese bräunliche Flüssigkeit oben auf dem Sauerteig.
Bedeutet:
Er ist sauer.
Hungrig.
Vernachlässigt.
(Frag nicht, wie oft mir das passiert ist.)

Lösung:
Abgießen, 2–3 Tage hintereinander füttern.


Was mache ich, wenn ich in den Urlaub fahre?

Du kannst:

– ihn trocknen
– im Kühlschrank „in den Winterschlaf“ schicken
– ihn einer Freundin geben
– oder einfach vorher etwas mehr füttern

Ich empfehle die „Freundin“-Variante.
Sauerteig ist wie ein Haustier: Jemand muss einmal die Woche nach ihm schauen.


Welches Mehl soll ich nehmen?

Ich sag’s wie es ist:
Jedes Mehl funktioniert.
Aber nicht jedes Mehl lebt.

Der Unterschied zwischen gekauftem Mehl und frisch gemahlenem Mehl?

Gigantisch.
Nicht nur geschmacklich.
Auch nährstofftechnisch.

Sobald Mehl gemahlen wird, oxidiert es.
Es verliert Vitamine.
Es verliert Aroma.
Es verliert Leben.

Deshalb ist meine Getreidemühle von KoMo Mio für mich ein echtes Must-Have.
Damit mahle ich:

– Roggen
– Dinkel
– Weizen
– Einkorn
– Emmer

…alles frisch und der Sauerteig geht ab wie Hefeteig auf Koffein.


Was du machen kannst, wenn du einen anderen Sauerteig möchtest

Du musst keinen komplett neuen Ansatz machen.
Nimm einfach 1 EL von deinem bestehenden Sauerteig und füttere ihn 4 Tage lang mit deinem neuen Mehl.

Zack:
Neuer Sauerteig.
Neue Sorte.
Neues Aroma.


Meine liebsten Bücher

Wenn du erstmal nur eins willst, nimm das große Vollkorn-Backbuch! Wirklich! Daraus habe ich schon so viel versucht und es ist einfach nur fantastisch. Zumal man nur wenige Bücher findet, die auch wirklich mit selbst gemahlenem Mehl backen.


Nützliche Helfer

Die Dinge, die mich vor Tränen, Frust und angeklebtem Teig gerettet haben

Jetzt kommen wir zu der Stelle, die dir tatsächlich Geld bringt – aber nicht auf plumpe Weise, sondern ehrlich, authentisch und 100 Prozent plausibel.

1. Getreidemühle KoMo Mio

Wenn du nur EIN Produkt kaufst: das.
Ohne Witz.
Frisch gemahlenes Mehl ist wie ein komplett neues Leben für deinen Sauerteig.
Mehr Aroma, mehr Power, mehr Vitamine.

2. Gärkörbchen-Set

Bitte hol dir ein hochwertiges.
Die billigen riechen komisch, verlieren Fasern und sorgen dafür, dass dein Teig klebt.
Ein gutes Gärkörbchen ist die halbe Miete.

3. Teigmesser / Bäckermesser

Für die typische Brotoptik.
Und ja:
Ein normales Küchenmesser schneidet NICHT gut ein.
Es klebt.
Es reißt.
Es zerstört die Form.
Ein gutes Brot braucht einen guten Schnitt.

4. Teigschaber / Teigkarte

Unverzichtbar.
Damit bringst du den Teig aus der Schüssel, ohne die halbe Küche einzumehlen.

5. Bio-Sauerteigstarter

Wenn du nicht warten willst: kaufen, füttern, loslegen.

6. Optional aber genial:

– Teigwanne
– Backstahl
– Sprayflasche zum Schwaden
– Hochwertige Brotform

Wenn du alles hast, wird das Brot selbst in stressigen Mama-Alltagen richtig gut.


Mein wirklich gelingsicheres Sauerteigbrot (funktioniert garantiert mit frisch gemahlenem Mehl)

Wenn du ein Brot willst, das immer klappt, selbst wenn du nach einer durchwachten Nacht müder bist als dein Sauerteig, dann ist es dieses hier.
Kein Chaos, kein Stress, keine 20 Schritte.
Einfach ein ehrliches Brot, das immer gelingt und richtig gut schmeckt.

Und ja:
Es funktioniert nur noch besser, wenn du frisch gemahlenes Mehl nimmst.
Das verhält sich ganz anders als gekauftes Mehl, deshalb ist das Rezept genau darauf abgestimmt.

Zutaten:

– 500 g frisch gemahlenes Mehl (egal ob Dinkel, Weizen oder ein Mix)
– 350 ml lauwarmes Wasser
– 100 g aktiver, blubbernder Sauerteig
– 10 g Salz

So geht’s – absolut Mama-tauglich:

  1. Alles in eine Schüssel werfen und mischen.
    Kein stundenlanges Kneten, kein Perfektionismus. Nur kneten, bis nix mehr trocken ist.
  2. 60 Minuten stehen lassen.
    (Wenn die Kinder in der Zeit sofort was wollen, der Teig läuft nicht weg.)
  3. 4–5 Mal dehnen und falten.
    Stell dir vor, du ziehst eine Ecke hoch und legst sie in die Mitte.
    Das einmal rundherum. Fertig.
  4. Die Schüssel abdecken und den Teig über Nacht in den Kühlschrank.
    Der Teig arbeitet → du schläfst → alle sind glücklich.
  5. Am nächsten Morgen den Teig einfach in eine bemehlte Brotform legen.
    Nichts formen, nichts rundwirken. Wirklich einfach reinlegen.
  6. Ofen auf 240 Grad vorheizen.
  7. Mit einem scharfen Messer einmal längs einschneiden.
    (Das sorgt dafür, dass es nicht wild irgendwo aufplatzt.)
  8. 40–45 Minuten backen, bis du diese goldbraune „ich bin so stolz“-Kruste hast.

Fertig.
Ein Brot, das sich anfühlt wie: „Ich hab es geschafft, obwohl heute eigentlich gar nichts ging.“


5 schnelle Add-ons, die jedes Brot aufwerten

Wenn du ein bisschen Abwechslung willst (oder Reste im Kühlschrank hast), kannst du dein Brot super easy pimpen. Es dauert 20 Sekunden extra:

1. Geröstete Zwiebeln
Kurz anrösten, unterheben – fertig. Warm, aromatisch, perfekt.

2. Walnüsse oder Haselnüsse
Grob gehackt → macht das Brot nussiger und sättigender.

3. Sonnenblumenkerne oder Kürbiskerne
Vorher anrösten → mehr Geschmack, mehr Saftigkeit.

4. Getrocknete Tomaten + italienische Kräuter
Ergibt ein Brot, das schon nach Urlaub schmeckt.

5. Knoblauch + frische Kräuter
Mini-Menge gehackter Knoblauch + Petersilie → schmeckt wie ein gesundes Kräuterbaguette.


Fazit: Sauerteig ist mehr als ein Rezept – es ist ein Mama-Ritual, das mitwächst

Ich liebe Sauerteig.
Ich liebe gutes Brot.
Und ich liebe es, dass meine Kinder regelmäßig fragen, wann ich wieder backe.

Aber ich liebe auch mein ruhiges Nervensystem.
Und die Erkenntnis:
Wir müssen nicht alles perfekt machen, um gute Mütter zu sein.

Manchmal reicht ein Brot.
Oder ein Ritual.
Oder ein kleines Glas im Kühlschrank, das uns daran erinnert:

Du darfst langsamer werden.
Du darfst atmen.
Du darfst genießen.

Wenn du Sauerteig liebst, behalte ihn.
Wenn du ihn neu entdecken willst, starte heute.
Und wenn du eigentlich etwas ganz anderes suchst, ein bisschen Ruhe, ein bisschen Halt, ein bisschen „Mama Reset“, dann lies hier weiter:

→ Mama Reset Artikel
→ Biohacking für Mütter Artikel
→ Mut zur Veränderung Artikel

Denn am Ende geht es gar nicht um Brot.
Es geht um dich.

2 Gedanken zu „Sauerteig – Ansetzen, Füttern, Backen: Wie mir ein Glas voller Blubberblasen damals Halt gegeben hat (und was das heute mit einem ruhigen Nervensystem zu tun hat)“

  1. Hallo, ich bin auch ein Back Fan . Möchte gerne von dir wissen ,wenn du den Teig aus den Kühlschrank nimmst ,gibst du den mit Deckel in den vorgeheizten Ofen oder mit dem Topf und Deckel in den kalten Ofen? Du schreibst zwar vorheizen aber nicht mit oder ohne Brot mit Topf ? Würd mich um eine Rückantwort freuen.

    1. Tatsächlich so wie es bei mir zeitlich klappt. Manchmal denke ich dran und heize auch den Topf vor, manchmal nicht. Ich mach es mir nicht so stressig. Bisher ist jedes Brot gelungen. Manchmal hole ich den Teig aus dem Kühlschrank und gebe ihn direkt in den Topf (vorgeheizt oder nicht). Manchmal steht der Teig in der Küche für 1-2 Stunden, weil etwas wichtigeres dazwischen gekommen ist. Ich bin da sehr entspannt und es hat immer funktioniert bisher 🙂

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen